Kapitel I
Was es bedeutet
Das Anch ist ein Kreuz, dessen oberer Arm eine Schlaufe bildet. In der ägyptischen Schrift stand es für das Wort ankh, „Leben“, und das Bild hat diesen Sinn nie verloren. Wenn ein Gott das Zeichen an Nase oder Lippen eines Königs hält, wie auf unzähligen Tempelwänden, zeigt die Szene das Geschenk des Lebensatems, der den König und durch ihn das ganze Land am Leben erhielt.
Weil es Leben bedeutete, war das Anch auch ein Versprechen über den Tod hinaus. Die Toten hofften, im Jenseits wieder zu leben, und das Zeichen erscheint auf Särgen, Amuletten und Opfertischen. In Reinigungsszenen wird das Wasser, das über einen König gegossen wird, als Strom kleiner Anch-Zeichen dargestellt: Das Leben selbst ergoss sich über ihn.
Kapitel II
Woher es kommt
Das Zeichen findet sich schon in der frühesten ägyptischen Schrift um 3000 v. Chr. und wurde mehr als dreitausend Jahre lang verwendet. Welchen Gegenstand es ursprünglich darstellte, ist ungewiss: Ein Sandalenriemen, ein Gürtelknoten und ein Spiegel wurden vorgeschlagen, und nichts davon lässt sich beweisen.
Als Ägypten ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. weitgehend christlich wurde, behielt die koptische Kirche die Form bei und verwendete sie als Kreuz, die crux ansata oder das „Kreuz mit Henkel“. Man sieht es auf koptischen Textilien und Grabsteinen der Spätantike.
Kapitel III
Wo man es heute sieht
Das Anch wird als Anhänger, Ohrring oder Tattoo von Menschen vieler Glaubensrichtungen und ohne Glauben getragen, als Zeichen des Lebens, des alten Ägypten oder afrikanischer Identität. Es erscheint in Filmen und Spielen über Ägypten, in Museumslogos und in der Kunst der afrikanischen Diaspora. Kleine moderne kemetische Gruppen verwenden es in ihrer wiederbelebten Verehrung der ägyptischen Götter.