Kapitel I
Was es bedeutet
Om ist ein Klang, bevor es ein Zeichen ist. Hindus singen es zu Beginn und am Ende von Gebeten, Lesungen und Ritualen, und viele Mantras beginnen damit. Die Upanishaden, philosophische Texte aus dem 1. Jahrtausend v. Chr., nennen es den Klang des Brahman, der letzten Wirklichkeit, und sagen, dass die ganze Welt in ihm enthalten ist.
Die Mandukya-Upanishad teilt die Silbe in drei Teile, A, U und M, und verbindet sie mit den drei Zuständen des Wachens, des Träumens und des traumlosen Schlafs. Die Stille nach dem Klang steht für einen vierten Zustand, reines Bewusstsein. Die spätere Überlieferung verband die drei Laute auch mit den Göttern Brahma, Vishnu und Shiva.
Kapitel II
Woher es kommt
Die Silbe erscheint in den Veden, den ältesten hinduistischen Schriften, wo Priester sie beim Opfer sprachen. In den Upanishaden wurde sie zu einem eigenständigen Gegenstand der Meditation. Das geschriebene Zeichen, ॐ in der Devanagari-Schrift, entwickelte sich als eine einzige Ligatur, und die anderen Schriften Indiens haben jeweils ihre eigene Form.
Die Silbe wanderte mit dem Buddhismus: Das bekannteste tibetische Mantra, Om mani padme hum, beginnt mit ihr. Jainas verwenden Om als Kurzform ihrer Huldigung an die fünf höchsten Wesen.
Kapitel III
Wo man es heute sieht
Das Om-Zeichen ist in Indien allgegenwärtig: über Türen, in Tempeln, auf Fahrzeugen und auf Hochzeitskarten. In aller Welt erscheint es in Yogastudios, auf Schmuck und als Tattoo. Hindus begegnen ihm mit tiefer Ehrfurcht, und es auf Schuhe oder andere unreine Stellen zu drucken, verletzt sie zutiefst.