Kapitel I
Die guten Männer des Languedoc
Im 12. Jahrhundert suchten viele Christen in Westeuropa nach einem reineren religiösen Leben, als sie es in einer reichen und weltlichen Kirche sahen. In den Städten und Dörfern des Languedoc, zwischen Toulouse und dem Mittelmeer, und in den Städten Norditaliens gewannen Prediger Anhänger, indem sie in Armut lebten, fasteten, auf Fleisch und geschlechtliche Beziehungen verzichteten und aus dem Neuen Testament lehrten. Ihre Anhänger nannten sie gute Männer und gute Frauen. Gegner nannten sie Ketzer, und die Namen Katharer und Albigenser, nach der Stadt Albi, stammen vor allem von ihren Kritikern.
Ihre Lehre war dualistisch. Sie hielten die materielle Welt für die Schöpfung oder das Herrschaftsgebiet eines bösen Prinzips und die menschlichen Seelen für Geister, die in Körpern gefangen sind. Das Heil kam durch ein einziges Sakrament, das consolamentum, eine Handauflegung, die einen Gläubigen zu einem der Vollkommenen machte. Die meisten gewöhnlichen Gläubigen empfingen es erst kurz vor dem Tod.
Im Languedoc genoss die Bewegung den Schutz vieler örtlicher Adliger. Als 1208 ein päpstlicher Legat ermordet wurde, rief Papst Innozenz III. zum Kreuzzug auf. Ab 1209 belagerten nordfranzösische Heere unter Simon de Montfort Städte und Burgen, und der Krieg wurde zu einem Kampf um die Herrschaft über den Süden, der 1229 mit dem Vertrag von Paris endete. Der Krieg hinterließ tiefe Narben. Viele Städte und Adelsfamilien verloren ihr Land, und die Grafschaft Toulouse fiel schließlich an die französische Krone, was die politische Landkarte Südfrankreichs für immer veränderte. Dissidenten, die überlebten, tauchten unter oder flohen in die Lombardei und nach Katalonien.
Kapitel II
Kreuzzug, Inquisition und die Debatte der Historiker
Die Gewalt des Kreuzzugs ist gut dokumentiert. In Béziers metzelten die Kreuzfahrer 1209 einen Großteil der Bevölkerung nieder, und nach dem Fall von Städten und Burgen wurden viele Dissidenten verbrannt. Ab den 1230er-Jahren setzte das Papsttum Inquisitoren ein, oft Dominikanermönche, die Verdächtige systematisch verhörten. Ihre Register halten Tausende von Verhören fest und beschreiben, wer Predigten besuchte, wer gute Männer beherbergte und wer das consolamentum empfing. Die Kapitulation von Montségur 1244 und die Verbrennung von mehr als zweihundert Menschen dort wurden zum symbolischen Ende der organisierten Bewegung im Languedoc.
Diese Akten sind unsere reichste Quelle, doch sie wurden von den Feinden der Bewegung angelegt, oft unter Druck. Das Register von Jacques Fournier, dem späteren Papst Benedikt XII., das durch Emmanuel Le Roy Laduries Studie über das Dorf Montaillou berühmt wurde, zeigt, wie der Glaube im frühen 14. Jahrhundert in das alltägliche Familienleben eingewoben war.
Die Forschung ist sich uneins, wie diese Belege zu deuten sind. Viele, etwa Malcolm Lambert und Malcolm Barber, beschreiben eine organisierte dualistische Kirche mit Bischöfen und Verbindungen zu den Bogomilen auf dem Balkan. Andere, darunter Mark Pegg und R. I. Moore, argumentieren, Kirchenmänner und Inquisitoren hätten vielfältigen örtlichen Glaubensvorstellungen ein einheitlicheres Bild des Katharertums übergestülpt. Die Debatte dauert an.
Kapitel III
Schätze, der Gral und das Katharerland
Legenden über die Katharer entstanden vor allem im 19. und 20. Jahrhundert. Einige Aussagen aus Montségur erwähnen, dass einige wenige Gläubige vor der Kapitulation mit Geld entkamen. Aus diesem Hinweis malten sich spätere Autoren einen sagenhaften Schatz aus, der mal als heilige Texte, mal als der Heilige Gral selbst beschrieben wird. In den 1930er-Jahren suchte der deutsche Schriftsteller Otto Rahn in Montségur nach dem Gral, und seine Bücher nährten eine romantische, später politisch missbrauchte Mythologie. Andere stellten die Katharer als Erben uralter gnostischer oder gar druidischer Weisheit dar.
In Südfrankreich wurden die Katharer zudem zu Symbolen regionaler Identität, der okzitanischen Sprache und Kultur sowie des Widerstands gegen die Eroberung aus dem Norden und gegen religiöse Verfolgung. Seit dem späten 20. Jahrhundert bewirbt das Département Aude die Burgruinen auf den Hügeln als Katharerland und zieht damit viele Besucher an, obwohl die meisten dieser Festungen erst nach dem Kreuzzug neu errichtet wurden.
Die Katharer erscheinen in Romanen, Dokumentarfilmen und alternativen Geschichtsdarstellungen, oft als sanfte Mystiker mit einem verborgenen Geheimnis. Historiker mahnen, dass die wirklichen Menschen mittelalterliche Christen mit eigenen Glaubensvorstellungen und Konflikten waren. Ihre Geschichte bleibt bewegend wegen des sehr realen Leids, das ihnen um ihres Glaubens willen zugefügt wurde. Heute bezeichnen sich einige kleine Gruppen als Neokatharer und lassen sich von der mittelalterlichen Bewegung inspirieren, obwohl keine belegte Verbindung zu ihr besteht.