Glossar
Die Begriffe der Weltreligionen, von Ahimsa bis Yijing, jeweils in ein, zwei Sätzen erklärt.
A
- Advent
Die vier Wochen der Vorbereitung auf Weihnachten.
- ahimsa · Ahimsa
Gewaltlosigkeit: kein Lebewesen in Gedanken, Worten oder Taten zu verletzen. Zentral im Jainismus.
- Ahura Mazda · Ahura Mazdā
Der „Weise Herr“, der eine höchste Gott des Zoroastrismus.
- amrit · Amrit
Gesüßtes Wasser, das mit einem zweischneidigen Schwert gerührt und bei der Einweihung in die Khalsa verwendet wird.
- arati · aarti, Arati, Aarti
Ein Ritus, bei dem eine Lampe vor dem Bild einer Gottheit geschwenkt und dann den Gläubigen dargeboten wird.
- ase · ashe, àṣẹ, Ase, Ashe
Àṣẹ: die Kraft, Dinge geschehen zu lassen, die Lebenskraft, die durch Götter, Menschen und Worte fließt.
- asha · Asha
Wahrheit und rechte Ordnung, das Prinzip, das Zoroastrier gegen die Lüge hochhalten.
- atman · Atman
Das Selbst oder die Seele. Viele hinduistische Schulen lehren, dass der Atman letztlich eins ist mit Brahman.
- avatar · avatara, Avatar, Avatara, Avatare
Ein „Herabstieg“ einer Gottheit in leiblicher Gestalt in die Welt, wie Rama und Krishna, Avatare Vishnus.
B
- babalawo · Babalawo
Ein Priester des Ifá, ausgebildet, um Wahrsagung zu vollziehen: „Vater der Geheimnisse“.
- bhakti · Bhakti
Liebende Hingabe an eine Gottheit, ausgedrückt in Gesang, Gebet und Dienst.
- bodhisattva · bodhisattvas, Bodhisattva, Bodhisattvas
Im Mahayana-Buddhismus jemand, der das Erwachen um aller Wesen willen anstrebt und das endgültige Nirvana aufschiebt, um ihnen zu helfen.
- Brahman
Die höchste Wirklichkeit im hinduistischen Denken, der Grund alles Seienden.
D
- Dao · Tao
Der Weg: im Daoismus der namenlose Ursprung und Fluss aller Dinge; im Konfuzianismus die rechte Lebensweise.
- Daodejing · Tao Te King, Tao te king, Tao Te Ching, Daode jing
Das klassische Buch vom Weg und seiner Kraft, Laozi zugeschrieben, der Grundtext des Daoismus.
- dharma · Dharma
Pflicht, Gesetz und die rechte Ordnung der Dinge. Für Hindus ist es die sittliche Ordnung und die eigenen Pflichten im Leben, für Buddhisten die Lehre Buddhas.
- Dreifaltigkeit · Dreieinigkeit, Trinität
Der christliche Glaube, dass Gott ein Gott in drei Personen ist: Vater, Sohn und Heiliger Geist.
E
- Eucharistie · Heilige Kommunion, Kommunion, Abendmahl
Der Ritus mit Brot und Wein zur Erinnerung an das Letzte Abendmahl; auch Heilige Kommunion, Messe oder Abendmahl genannt.
- Evangelium · Evangelien
Die „gute Nachricht“ von Jesus; auch jedes der vier Bücher, Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, die sein Leben erzählen.
F
- Fastenzeit · Passionszeit, österliche Bußzeit, Quadragesima
Die vierzig Tage des Fastens und der Buße vor Ostern.
G
- Gathas · Gatha, Gāthās
Siebzehn Zarathustra zugeschriebene Hymnen, der älteste und heiligste Teil des Avesta.
- Gespräche · Analekten, Lunyu, Gespräche des Konfuzius
Die gesammelten Aussprüche des Konfuzius und seiner Schüler.
- gurdwara · gurdwaras, Gurdwara, Gurdwaras
Ein Gotteshaus der Sikhs, in dem der Guru Granth Sahib aufbewahrt und der Langar ausgegeben wird.
- guru · gurus, Guru, Gurus
Ein spiritueller Lehrer. Im Sikhismus der Titel der zehn Gurus und der heiligen Schrift, des Guru Granth Sahib.
H
- hadith · Hadith, Hadithe
Ein Bericht darüber, was der Prophet Mohammed sagte oder tat; Sammlungen von Hadithen leiten das muslimische Leben.
- Haggada · Haggadah, Pessach-Haggada
Der Text, der beim Seder am Pessachfest gelesen wird und die Geschichte vom Auszug aus Ägypten erzählt.
- hajj · Hadsch, Haddsch, Hadj
Die Pilgerfahrt nach Mekka, die jeder Muslim, der dazu in der Lage ist, einmal im Leben vollziehen soll.
- harae · harai, Harae, Harai
Reinigungsriten, die Unreinheit beseitigen, zentral im Shinto-Kult.
- haumai · Haumai
Ichbezogenheit oder Ego, die die Lehre der Sikhs als Wurzel der Trennung von Gott sieht.
- hukam · Hukam
Die göttliche Ordnung oder der Wille Gottes, mit dem Sikhs ihr Leben in Einklang zu bringen suchen.
I
- iftar · Iftar
Die Mahlzeit, mit der im Ramadan bei Sonnenuntergang das Fasten gebrochen wird.
- imam · imams, Imam, Imame
Der Vorbeter beim Gebet. Im schiitischen Islam sind die Imame die von Gott geleiteten Nachfolger des Propheten.
- Inkarnation · Menschwerdung, Fleischwerdung
Der Glaube, dass Gott in Jesus Mensch wurde.
J
- jiva · Jiva
Die Seele, von der nach jainistischem Glauben jedes Lebewesen eine besitzt, gebunden durch das Karma.
- junzi · Junzi
Der „Edle“ oder vorbildliche Mensch, der durch Lernen und Ritual die Tugend pflegt.
K
- ka · Ka
Nach altägyptischem Glauben die Lebenskraft eines Menschen, die nach dem Tod weiterlebte und Opfergaben empfing.
- Kabbala · Kabbalah
Die mystische Tradition des Judentums, die das verborgene Leben Gottes und der Seele erforscht.
- kami · Kami
Die Götter oder heiligen Mächte des Shinto, gegenwärtig in der Natur, in den Ahnen und in großen Menschen.
- karma · Karma
Handlung und ihre Folgen. Gute und schlechte Taten prägen die Zukunft eines Menschen, in diesem Leben und in künftigen Leben.
- kashrut · kosher, kashruth, koscher, Kaschrut
Die jüdischen Speisegesetze; Speisen, die ihnen entsprechen, sind koscher.
- kegare · Kegare
Unreinheit oder Befleckung, die durch Reinigung beseitigt wird.
- kevala jnana · Kevala Jnana, kevalajnana
Vollkommenes, allwissendes Erkennen, das eine vom Karma befreite Seele erlangt.
- Khalsa
Die Gemeinschaft der eingeweihten Sikhs, 1699 von Guru Gobind Singh gegründet.
- kirtan · Kirtan
Das Singen von Hymnen zum Lob Gottes, zentral im Gottesdienst der Sikhs.
- kushti · kusti, Kushti, Kusti
Die heilige Schnur, aus 72 Fäden gewebt, die um die Taille gebunden und beim täglichen Gebet neu geknüpft wird.
L
- langar · Langar
Die kostenlose Gemeinschaftsküche jedes Gurdwara, in der alle als Gleiche zusammen essen.
- li · Li
Rituelle Schicklichkeit: die Riten und das rechte Verhalten, die Familie und Gesellschaft ordnen.
M
- ma’at · maat, Maat, Ma’at
Wahrheit, Gerechtigkeit und kosmische Ordnung im alten Ägypten, vom König aufrechterhalten und als Göttin verkörpert.
- makoto · Makoto
Aufrichtigkeit, ein aufrichtiges und reines Herz, hochgeschätzt in der Ethik des Shinto.
- Manifestation Gottes · Manifestationen Gottes, Gottesoffenbarer
Nach dem Glauben der Bahá’í ein Gesandter, der der Menschheit den Willen Gottes offenbart, etwa Abraham, Mose, Buddha, Jesus, Mohammed, der Báb und Bahá’u’lláh.
- mantra · mantras, Mantra, Mantras
Ein heiliges Wort oder eine heilige Formel, die im Gebet oder in der Meditation wiederholt wird, etwa Om.
- matsuri · Matsuri
Ein Schreinfest, oft mit Prozessionen, bei denen die Kami durch die Straßen getragen werden.
- mihrab · Mihrab
Die Nische in einer Moscheewand, die die Gebetsrichtung anzeigt.
- mitzvot · mitzvah, Mizwot, Mizwa, Mitzwa
Die Gebote der Tora, traditionell 613. Ein einzelnes Gebot oder eine gute Tat ist eine Mitzwa.
- moksha · mukti, Moksha, Mukti
Die Befreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburt, das höchste Lebensziel im Hinduismus und im Jainismus.
N
- nirvana · nibbana, Nirvana, Nirwana
Wörtlich „Verlöschen“: im Buddhismus das Ende von Begehren und Leid und die Befreiung von der Wiedergeburt.
- norito · Norito
Gebete, die Shinto-Priester an die Kami richten.
O
- odu · Odu
Eines der 256 Zeichen der Ifá-Wahrsagung, jedes mit seinem eigenen Bestand an Versen.
- ori · orí, Ori
Der innere Kopf oder das persönliche Schicksal, das jeder Mensch vor seiner Geburt wählt.
- orisa · orisha, orishas, òrìṣà, Orisha, Orishas
Die Gottheiten der Yoruba-Religion, etwa Ọ̀ṣun, Ṣàngó und Ọ̀rúnmìlà.
P
- pietas · Pietas
Pflichtbewusste Ehrfurcht gegenüber den Göttern, dem Staat und der eigenen Familie, eine zentrale römische Tugend.
- pratityasamutpada · Pratityasamutpada
Bedingtes Entstehen: die Lehre, dass alles in Abhängigkeit von anderen Bedingungen entsteht.
- puja · Puja
Verehrung: Gaben von Blumen, Speisen, Licht und Räucherwerk an eine Gottheit, zu Hause oder im Tempel.
Q
- qi · chi, Qi, Chi
Lebensenergie oder Atem, der den Körper und das Universum durchströmt.
- qibla · qiblah, Qibla, Kibla
Die Richtung der Kaaba in Mekka, der sich Muslime beim Gebet zuwenden.
R
- Rabbiner · Rabbi, Rabbis, rabbi
Ein Lehrer und Gelehrter des jüdischen Gesetzes, der oft eine Gemeinde leitet.
- ratnatraya · Ratnatraya
Die drei Juwelen des Jainismus: rechter Glaube, rechte Erkenntnis und rechter Wandel.
- ren · Ren
Menschlichkeit oder Güte, die höchste konfuzianische Tugend.
S
- Sakrament · Sakramente
Ein Ritus, der nach christlichem Glauben Gottes Gnade vermittelt, etwa die Taufe und die Eucharistie.
- salat · salah, Salat, Salāt
Das rituelle Gebet, das fünfmal am Tag in Richtung Mekka verrichtet wird.
- samsara · Samsara
Der Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt, aus dem die indischen Religionen Befreiung suchen.
- sangha · Sangha
Die buddhistische Gemeinschaft, besonders der Orden der Mönche und Nonnen.
- Schabbat · Sabbat, Shabbat, Schabbes
Der Sabbat, der Ruhetag vom Sonnenuntergang am Freitag bis zum Einbruch der Nacht am Samstag.
- seder · Seder, Sederabend
Das rituelle Mahl am ersten Abend oder an den ersten Abenden des Pessachfestes, bei dem die Geschichte vom Auszug aus Ägypten erzählt wird.
- sefirot · Sefirot, Sephirot, Sephiroth
In der Kabbala die zehn Kräfte, durch die der verborgene Gott erkennbar wird und in der Welt wirkt.
- seva · Seva
Selbstloser Dienst an anderen, eine zentrale Pflicht der Sikhs.
- shahada · Schahada, Shahada
Das Glaubensbekenntnis: Es gibt keinen Gott außer Gott, und Mohammed ist der Gesandte Gottes.
- shakti · Shakti
Göttliche Kraft oder Energie, oft als die Göttin verkörpert.
- shintai · Shintai
Der heilige Gegenstand, in dem ein Kami in einem Schrein gegenwärtig ist, meist den Blicken verborgen.
- sudreh · sedreh, Sudreh, Sedreh
Das weiße Baumwollunterhemd, das eingeweihte Zoroastrier tragen.
- Sufismus · Sufi, Sufis, Sufitum
Der mystische Weg des Islam, der durch Liebe, Gottesgedenken und Disziplin die unmittelbare Erfahrung Gottes sucht.
- suhur · sahur, Suhur, Sahur
Die Mahlzeit, die im Ramadan vor der Morgendämmerung eingenommen wird.
- sunna · sunnah, Sunna
Das Vorbild des Propheten Mohammed in Worten und Taten, überliefert im Hadith.
- sutra · sutras, sutta, suttas, Sutra, Sutras
Eine heilige Schrift oder Lehrrede; im Buddhismus eine Buddha zugeschriebene Lehre.
T
- Talmud
Die große Sammlung rabbinischen Rechts und rabbinischer Diskussionen, um 500–600 n. Chr. abgeschlossen und neben der Bibel studiert.
- tawhid · Tauhid, Tawhid
Die Einheit Gottes, die zentrale Lehre des Islam.
- Tipitaka · Tripitaka, Pali-Kanon
Die „drei Körbe“, der Pali-Kanon des Theravada-Buddhismus: Ordensregeln, Lehrreden und höhere Lehre.
- Tirthankara · Tirthankaras
Ein „Furtbereiter“: einer der vierundzwanzig befreiten Lehrer, die den Weg über den Fluss der Wiedergeburt weisen. Mahavira war der letzte.
- Tora · Torah, Thora
Die fünf Bücher Mose; im weiteren Sinn die gesamte jüdische Lehre.
U
- Upanishaden · Upanishad
Philosophische Texte am Ende der Veden, die das Selbst, Brahman und die Befreiung erkunden.
V
- Veda · Veden
Die ältesten hinduistischen Schriften, Sammlungen von Hymnen und Ritualtexten, die ab etwa 1500 v. Chr. auf Sanskrit verfasst wurden.
W
- wu wei · Wu wei, Wuwei
Müheloses Handeln: im Einklang mit dem Dao handeln, ohne zu erzwingen.
X
- xiao · Xiao
Kindliche Pietät: Achtung und Fürsorge gegenüber Eltern und Ahnen.
Y
- Yijing · I Ging, I Ching, Buch der Wandlungen
Das Buch der Wandlungen, ein alter chinesischer Klassiker der Wahrsagung, aufgebaut auf 64 Hexagrammen.
Z
- zakat · Zakat, Zakāt
Die verpflichtende Abgabe eines Teils des eigenen Vermögens an die Armen, eine der fünf Säulen.
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