Kapitel I
Was gefeiert wird
Raksha bedeutet Schutz und bandhan Band. Alte Geschichten verbinden den schützenden Faden nicht nur mit Geschwistern: In einer band Indrani ihrem Gatten Indra vor seiner Schlacht gegen die Dämonen ein Amulett ums Handgelenk. Die beliebteste Geschichte erzählt, dass Draupadi, als Krishna sich in den Finger schnitt, einen Streifen von ihrem Sari riss, um ihn zu verbinden, und Krishna vergalt es ihr später, indem er sie schützte, als die Kauravas sie in der Versammlungshalle zu entkleiden versuchten. Eine spätere, oft nacherzählte, aber historisch zweifelhafte Geschichte berichtet, die verwitwete Rani Karnavati von Mewar habe dem Mogulkaiser Humayun eine Rakhi geschickt und ihn um Hilfe gebeten.
Kapitel II
Wie gefeiert wird
Am Morgen bereitet die Schwester ein Tablett mit der Rakhi, einer Lampe, Reis, rotem Pulver und Süßigkeiten vor. Sie zeichnet ihrem Bruder ein tilak auf die Stirn, bindet ihm den Faden um das rechte Handgelenk, schwenkt die Lampe vor ihm und gibt ihm eine Süßigkeit zu essen. Er schenkt ihr Geld oder ein Geschenk und verspricht ihr Schutz. Rakhis reichen vom einfachen rot-goldenen Faden bis zu kunstvollen Rosetten aus Seide, Perlen und Silber und werden Brüdern in der Ferne per Post geschickt.
Die Familien kommen zu einem Festmahl zusammen, und verheiratete Frauen besuchen an diesem Tag oft ihr Elternhaus.
Kapitel III
In aller Welt
Raksha Bandhan wird in ganz Nord- und Westindien, in Nepal und überall dort begangen, wo Familien indischer Herkunft leben; Rakhis werden schon Wochen vorher auf den Märkten verkauft. In Indien ist es auch zu einem öffentlichen Anlass geworden: Frauen binden Soldaten an den Grenzen Rakhis um, und Politiker und Schulen begehen es als Fest des guten Willens.