Kapitel I
Heilige Schrift vor der Schrift
Die Veden, die ältesten hinduistischen Schriften, wurden ab etwa 1500 v. Chr. in einer frühen Form des Sanskrit verfasst und viele Jahrhunderte lang allein mündlich überliefert. Priesterfamilien entwickelten ausgeklügelte Rezitationsmethoden und sangen jeden Vers vorwärts, rückwärts und in ineinander verflochtenen Mustern, damit sich keine einzige Silbe veränderte. Für Hindus sind die Veden shruti, „das von alten Sehern Gehörte“, und schon ihr Klang ist heilig.
Auch die Lehren Buddhas wurden zunächst von seinen Mönchen auswendig gelernt und rezitiert. Der Pali-Kanon wurde im 1. Jahrhundert v. Chr. auf Sri Lanka aufgeschrieben, rund vier Jahrhunderte nach seinem Tod.